Astrologische Deutung ist Auslegung. Die Positionen, auf denen sie beruht, sind es nicht: Sie sind Himmelsmechanik und lassen sich auf die Bogensekunde prüfen. Es lohnt sich, beides auseinanderzuhalten – gerade wenn man Astrologie mag.
Schritt eins: die richtige Sekunde
Am Anfang steht nicht der Himmel, sondern der Kalender. Aus Datum, Uhrzeit und Geburtsort wird ein eindeutiger Zeitpunkt in Weltzeit. Dafür braucht es die Zeitzonengeschichte des Ortes: Wann galt welche Verschiebung, wann gab es Sommerzeit, wann wurde eine Zeitzone verschoben. Diese Angaben stehen in einer gepflegten Datenbank, die bis ins neunzehnte Jahrhundert zurückreicht.
Aus diesem Zeitpunkt wird das Julianische Datum berechnet – eine fortlaufende Tageszählung, mit der sich rechnen lässt, ohne über Monatslängen und Schaltjahre zu stolpern.
Schritt zwei: die Planeten
Jeder Planet läuft auf einer Ellipse um die Sonne. Aus seinen Bahnelementen ergibt sich, wo er zu einem gegebenen Zeitpunkt steht. Der unbequeme Teil ist die Keplergleichung, die sich nicht direkt auflösen lässt; sie wird schrittweise angenähert, bis sich das Ergebnis nicht mehr ändert.
Danach folgt der Wechsel des Standpunkts: Die Rechnung liefert die Position von der Sonne aus gesehen, gebraucht wird sie von der Erde aus. Erst diese Umrechnung erklärt, warum Planeten zeitweise rückläufig erscheinen.
Schritt drei: die Achsen
Für Aszendent und Medium Coeli wird die Drehung der Erde gebraucht, ausgedrückt als Sternzeit. Zusammen mit der geografischen Breite und der Neigung der Erdachse ergibt sich daraus, welcher Punkt des Tierkreises gerade aufgeht. Hier zählt jede Minute: Vier davon verschieben den Aszendenten um ein Grad.
Wie man weiß, ob es stimmt
Indem man es gegen etwas prüft, das unabhängig davon bekannt ist. Der größte Abstand, den Venus je von der Sonne erreicht, beträgt gut siebenundvierzig Grad – kommt die Rechnung auf fünfzig, stimmt etwas nicht. Zeichenwechsel der langsamen Planeten sind auf den Tag genau veröffentlicht. Und der Aszendent lässt sich gegenrechnen, indem man den Horizont numerisch absucht, statt die Formel zu benutzen.
Solche Proben sind der Unterschied zwischen einer Rechnung, die plausibel aussieht, und einer, die nachweislich stimmt. Was danach aus den Zahlen gelesen wird, steht auf einem anderen Blatt – aber die Zahlen selbst sollten belastbar sein.
