Der Aszendent ist kein Planet. Er ist ein Schnittpunkt: die Stelle des Tierkreises, die im Augenblick deiner Geburt am östlichen Horizont aufging. Weil sich die Erde in vierundzwanzig Stunden einmal dreht, wandert dieser Punkt durch alle zwölf Zeichen eines Tages. Ungefähr alle zwei Stunden ist ein neues an der Reihe.
Warum der Ort mitzählt
Der Horizont ist nicht überall gleich geneigt. Am Äquator steht der Tierkreis steil, in hohen Breiten flach. Dadurch ziehen manche Zeichen in Hamburg viel langsamer über den Horizont als in Palermo, andere viel schneller. Zwei Menschen, die zur selben Sekunde geboren werden, haben deshalb verschiedene Aszendenten, wenn sie weit auseinander zur Welt kommen.
Deshalb reicht die Uhrzeit allein nicht. Ohne Koordinaten lässt sich der Aszendent nicht rechnen, und wer ihn trotzdem angibt, rät.
Die Stunde, die niemand mitdenkt
Es gibt eine Fehlerquelle, die häufiger zuschlägt als alle anderen: die Zeitzone. In der Geburtsurkunde steht Ortszeit. Welche Verschiebung zur Weltzeit damals galt, ist eine Frage der Geschichte, nicht der Geografie.
Ein Beispiel: Wer 1975 in München geboren wurde, kam bei plus einer Stunde zur Welt – Sommerzeit gab es in der Bundesrepublik damals nicht. Zehn Jahre später galt im Sommer plus zwei. Wird die falsche Verschiebung angesetzt, verrutscht der Aszendent um ein halbes Zeichen. Alles, was darauf aufbaut, verschiebt sich mit.
Wenn die Geburtszeit fehlt
Dann bleibt der Aszendent offen. Das ist unangenehm, aber es ist die einzige redliche Antwort. Sonne und Mond lassen sich weiterhin bestimmen, der Mond allerdings mit Vorbehalt: Er wandert rund dreizehn Grad am Tag, sein Zeichen kann bei einer Rechnung auf zwölf Uhr mittags danebenliegen.
Die Geburtszeit steht in Deutschland in der Regel im Geburtenregister des Standesamts. Eine Nachfrage dort lohnt sich, wenn dich der Aszendent wirklich interessiert.
